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Energiecheck

Aktuelles aus der Kreisvereinigung Minden-Lübbecke

Als Lehrling ist er aus dem Knast getürmt

Bezirksschornsteinfegermeister Dieter Lichte geht in Rente:

Von Stefan Lyrath

Porta Westfalica-Kleinenbremen - Schornsteinfeger bringen nicht nur Glück, manchmal haben sie es auch. Dieter Lichte zum Beispiel bricht 1963, kurz vor der Gesellenprüfung, durch ein morsches Dach, stürzt auf eine Diele. Er zieht sich mehrere Knochenbrüche zu, liegt wochenlang im Krankenhaus, hat dennoch Riesenbammel. Die Prüfung wird nachgeholt.

Das Glück ist ihm fortan ein treuer Begleiter. Fast 50 Jahre lang kommt es zu keinem Unfall mehr. Seit 1. April ist der Kleinenbremer Dieter Lichte (65) nun Rentner. Sein Nachfolger als Bezirksschornsteinfegermeister heißt Guido Wischmeier (42) und wohnt in Rothenuffeln. Wischmeiers Mitarbeiter ist Lichtes Sohn Tim, vorher in Diensten des eigenen Vaters.

 Dass es Zeit wurde mit dem Ruhestand, ist Dieter Lichte bereits bewusst geworden. Neulich klingelt er an einer Haustür. Ein Knirps öffnet, der Besucher stellt sich vor. Ruft der Kleine: "Mama, hier steht ein Opa vor der Tür und sagt, er wäre der Schornsteinfeger!" Schmunzelnd gibt Dieter Lichte die Anekdote selbst zum Besten. Wie der typische Opa wirkt er nicht, auch wenn die Schar der Enkel wächst.

Familienbande: Dieter Lichte (r.), Sohn Tim (Mitte) und Enkel Liam, erst fünf Jahre alt, aber schon in der schwarzen Kluft des Schornsteinfegers. Links der neue Bezirksschornsteinfegermeister Guido Wischmeier. | Foto: Stefan Lyrath

Wer den Leuten über ein halbes Jahrhundert aufs Dach gestiegen ist und fast 33 Jahre Bezirksschornsteinfegermeister war, kann was erzählen. Zum Beispiel die traurige Geschichte von Hansi dem Goldhamster. Eines Tages liegt der Nager tot im Schornstein. "Offensichtlich war Hansi von einem Raubvogel aus seinem Freigehege im Garten entführt worden und sollte auf dem Schornstein verspeist werden", vermutet Lichte. "Ihm gelang dann wohl die Flucht - aber in die falsche Richtung." Normalerweise finden sich in Schornsteinen für Gasheizungen eher tote Vögel.

 Apropos Flucht: Als Lehrling ist Lichte sogar einmal aus dem Knast getürmt - wenn auch nur zu Zwecken der Vorführung. "Ich wäre keine zehn Minuten hier", hat er während der Arbeit im alten Bückeburger Gefängnis etwas vorlaut erklärt. Doch Dieter hält Wort: Vor den Augen des Direktors flüchtet er durch den Schornstein in der Zelle, dann übers Dach. "Neue Sicherheitsvorkehrungen wie Gitter erschwerten uns danach die Arbeit", erinnert sich Lichte. "Der Geselle hätte mich fast erschlagen."

 Zum Bezirk gehören heute Lerbeck, Nammen, Wülpke, Kleinenbremen und Fülme. Wenn Lichte, ein gebürtiger Nammer, in der Kundschaft unterwegs ist, hat er zuletzt stets einen Notizblock dabei. "Ich kümmere mich darum", verspricht der Schornsteinfeger, während er Beschwerden, Sorgen oder Anregungen aufschreibt. "Dieses Kümmern", so Lichte, "muss wohl ganz gut gelungen sein."
"Lebensqualität hat sich deutlich verbessert"

 Im Lauf von zweieinhalb Jahrzehnten wird der SPD-Politiker Ratsherr, stellvertretender Bürgermeister, Vorsitzender im Ausschuss für Planung und Umweltschutz, Chef des Bezirksausschusses. In der Feuerwehr schafft er es bis zum Brandoberinspektor, 2009 gibt es das Bundesverdienstkreuz. Der Rentner Lichte hat politische Ambitionen ad acta gelegt. "Seit ich nicht mehr in der Politik bin, hat sich meine Lebensqualität deutlich verbessert", sagt er.

 Fehlen wird Lichte dagegen das Gespräch mit den Kunden. Froh ist er, "dass ich mich mit all den Gesetzen, Vorschriften und Verordnungen nicht mehr herumschlagen muss." Der Hintergrund: Das Handwerk des Schornsteinfegers hat sich enorm verändert. Mit traditionellen Aufgaben wie Schornsteinreinigung ist es längst nicht mehr getan.

 Hinzugekommen sind immer mehr Kontrollfunktionen für Brandschutz, Energieeinsparung und Umweltschutz, zugleich Beratung in diesen Bereichen. Lichtes Nachfolger Guido Wischmeier, Telefon (05734) 969062, sowie Sohn Tim, (0 57 51) 891746, der bereits Bezirksmeister unterrichtet, sind jeweils Schornsteinfegermeister und Energieberater. "Ich bin schnell im Bezirk", sagt der Rothenuffelner Wischmeier. "Und meine Frau kommt aus Bückeburg, der Bezug ist also da."

 Wenn 2013 das Monopol fällt, müssen Schornsteinfeger sich auf Wettbewerb einstellen: Kehren und Messen dürfen dann auch Auswärtige. Bei Abnahmen und Brandschau bleibt alles wie gehabt. Von der Treue langjähriger Kunden ist Dieter Lichte indes überzeugt. Monopol hin oder her: "99 Prozent haben gesagt, dass es weitergehen soll wie bisher."

aus: Mindener Tageblatt vom 02.04.2011

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Schornsteinfeger-Wahl ist Vertrauenssache

Monopol entfällt ab Januar 2013:

Von Nina Kallmeier

Bad Oeynhausen [WB] - Seit 18 Jahren prüft und kehrt Bezirksschornsteinfeger-Meister Werner Heidemann in der Bad Oeynhausener Altstadt. Ein neues Schornsteinfeger- Handwerksgesetz bringt für ihn und seine Kollegen Konkurenz. Denn ab Januar 2013 ist das Schornsteinfeger-Monopol endgültig Geschichte.

 

Über den Dächern von Bad Oeynhausen: Mit dem Wegfall des Schornsteinfeger-Monopols 2013 bekommen Werner Heidemann (links) und Volker Bekemeier (rechts) Konkurrenz. Foto: Nina Kallmeier

 

»Inklusive der Gesellenzeit bin ich schon seit 1972 in Bad Oeynhausen unterwegs«, sagt der 61-Jährige. In der Innenstadt ist er bekannt wie ein bunter Hund. Das baue ein Vertrauensverhältnis zu seinen mehr als 2000 Kunden im Altstadtbezirk auf. Ein neuer Kollege müsse sich dieses Vertrauen erst verdienen. »Als Schornsteinfeger habe ich theoretisch Zugang zu jedem Raum im Haus. Da würde ich nicht jeden reinlassen«, sagt Werner Heidemann. Sein Löhner Kollege Volker Bekemeier (48) ist seit sechs Jahren Bezirksschonsteinfeger-Meister in Hüllhorst. Er steigt 2500 Kunden regelmäßig aufs Dach.

 Nach dem Wegfall des Schornsteinfeger-Monopols wird aus dem Bezirksschornsteinfeger-Meister der »Bezirksbevollmächtigte Schornsteinfeger-Meister«. Die Feuerstättenschau, Bauabnahmen sowie der Feuerstättenbescheid bleiben weiterhin das Hoheitsgebiet von Werner Heidemann. Frei wählen können die Bürger, wer das Messen und Fegen übernimmt. Wichtig sei, dass der Kollege eine adäquate Meisterprüfung vorlegen kann und im Register des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle – kurz Bafa – eingetragen ist.

 Theoretisch haben Wohnungsund Hauseigentümer bereits seit 2009 die Wahl, wer ihnen aufs Dach steigt. »In einem ersten Schritt konnten sich Betriebe aus dem europäischen Ausland bei der Handelskammer authorisieren lassen«, ergänzt Volker Bekemeier. Bisher gebe es aber keine registrierten Firmen.

 Dem Wegfall des Monopols sieht der Bezirksschornsteinfeger-Meister gelassen entgegen. In den Grenzgebieten der Bezirke werde vielleicht der eine oder andere Kunde zu einem anderen Kollegen wechseln. Dass jedoch ein freier Schornsteinfeger bevorzugt werde, hält sein Kollege Werner Heidemann für unwahrscheinlich. »Unsere Kunden schätzen die Kontinuität und das Vertrauen. Man kennt sich, und wir wissen, wann wir den Kunden am besten antreffen«, sagt der 61-Jährige.

 Bis Ende 2012 muss für jedes Haus ein Feuerstättenbescheid vorliegen. Dieser Verwaltungsakt sorgt laut Werner Heidemann für geringe Mehrkosten, die der Kunde vorher nicht hatte. Mit den in diesem Bescheid festgelegten Mess- und Kehrabständen könne der Kunde einen anderen Schornsteinfeger mit den Arbeiten beauftragen. Im Kehrbuch werden die Arbeiten festgehalten. Für die Terminabsprache sei der Kunde selbst verantwortlich. Wünsche er keinen Wechsel, ändere sich an dem bestehenden Service nichts.

 Das Berufsbild des Schornsteinfegers habe sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt. 75 Prozent der Kollegen seien mittlerweile auch Energieberater, erläutert Werner Heidemann. Ob Heizungsanlagen, Isolierung der Gebäude, Schadstellen an Fenstern oder Wänden, die Kollegen würden ihren Kunden eine neutrale Beratung bieten. Auch Brandschutz, Umweltschutz und Sicherheit gehören zu den Leistungen eines Schonsteinfegers dazu, ergänzt Volker Bekemeier.

aus: Westfalenblatt vom 05.01.2011

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