Glücksbringer im Stadtmuseum
Auch Kaminkehrer landen manchmal auf der Nase:
Von Regina Bojak
Gütersloh [gl] - Sie strahlen um die Wette. Theo Schnur, Peter Silbermann und Rudolf Lüke, ihres Zeichens Schornsteinfeger, treten so auf, wie sich wohl jeder einen Vertreter ihres Berufsstands vorstellt – nett, freundlich und gut gelaunt. Gestern hatten die drei Berufskollegen einen guten Grund für ihre fröhliche Stimmung. Sie rückten im Stadtmuseum noch eine Figur hier und einen Reisigbesen dort zurecht und stellten dann fest: „Hier haben wir tolle Räume um die Schau zum Jubiläum der Schornsteinfeger-Innung zu präsentieren.“
Seit 125 Jahren sind die Kaminkehrer im Regierungsbezirk Detmold in der Innung organisiert. „Alle 197 Betriebe in Ostwestfalen-Lippe sind dabei“, sagt Peter Silbermann, Obermeister der Innung stolz.
Warum den Männern – und inzwischen auch Frauen – in den schwarzen Anzügen nachgesagt wird, sie seien Glücksbringer, erklärt Dr. Rolf Westheider, Leiter des Stadtmuseums. „Die Schornsteinfeger haben schon immer dafür gesorgt, dass der Rauchabzug im Haus funktionierte.
War das nicht der Fall, konnte es für die Bewohner ja auch gefährlich werden. Wenn man also auf einen Schornsteinfeger traf, ging man davon aus, dass alles richtig funktionierte.“ Richtig gut funktioniert habe auch die Zusammenarbeit mit den Vertretern der Schornsteinfeger-Innung, betont der Museumsleiter. Peter Silbermann ist ganz begeistert von den Möglichkeiten im Stadtmuseum. „Wir haben uns überlegt, wie wir uns zum 125-jährigen Bestehen den Bürgern vorstellen können.“ Zunächst sollten einige Ausstellungsstücke in der Sparkasse Bielefeld gezeigt werden. Da sei jedoch Theo Schnur, ehemaliges Vorstandsmitglied der Innung, auf den Plan getreten. „,Ich zeig euch mal was’, hat er gesagt und uns ins Stadtmuseum geführt“, erinnert sich Peter Silbermann. Theo Schnur gehören auch zahlreiche Exponate, die ab Sonntag an der Kökerstraße zu sehen sind. Fast 40 Bilder zum Thema Schornsteinfeger hat der Pensionär gesammelt. Sie hängen im Treppenhaus des Museums. Das Lieblingsbild Theo Schnurs zeigt drei Schornsteinfeger auf ihren Fahrrädern, einer von ihnen hat sich auf die Nase gelegt. „So was ist mir bei Glatteis auch mal passiert“, erzählt Schnur schmunzelnd. „Mein Lehrling hat mich gefragt, ob ich fünf Mark gefunden hätte und ich war richtig wütend.“
Morgen, Sonntag, um 11.30 Uhr wird die Schornsteinfeger-Schau „Glücksbringer“ im Stadtmuseum eröffnet. Bis zum 29. Juli, dienstags bis freitags von 14 bis 17 Uhr sowie samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr, zeugen dort nicht nur Urkunden und Bilder von der Arbeit der Kaminkehrer, sondern auch alte Reisigbesen und hochmoderne Abgasmessgeräte.
aus: Die Glocke vom 02.06.2007
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