Gestatten: Mühlenfeger
Ab 2013 können Hausbesitzer frei wählen, wer ihren Kamin kehrt:
Von Nils Bergemann
Lübbecke - Hauseigentümer müssen sich ab 2013 selbst darum kümmern, dass ihre Kessel und Kamine so oft gereinigt und geprüft werden, wie es im Feuerstättenbescheid steht. Wer die Reinigung vornimmt, können die Kunden dann selbst entscheiden. Über diese und weitere Änderungen informierten drei der Lübbecker Bezirksschornsteinfeger-Meister jetzt bei einem Besuch in der NW-Redaktion.
"Selbstverständlich machen wir das auch gerne weiterhin für unsere Kunden vor Ort", sagt Bezirksschornsteinfeger-Meister Uwe Meyer, der für den Kehrbezirk Lübbecke II zuständig ist. "Bis 2013 hat jeder Kunde so einen Feuerstättenbescheid in der Hand", berichtet Dieter Rosenbohm (Kehrbezirk Hille III einschließlich Nettelstedt). Michael Kahl (Kehrbezirk Lübbecke I) nickt. Alle drei sind zum Termin in ihrer Glück bringendenArbeitskleidung erschienen.
Der kostenpflichtige Bescheid und die Wahlfreiheit der Kunden sind Ergebnis der ersten bundeseinheitlichen Kehr- und Überprüfungsordnung , die ab diesem Jahr gilt.
"Die EU hatte eine Änderung des Kehrbezirkssystem gefordert", erklärt Meyer. Also habe ein in der EU für Schornsteinfeger-Arbeiten qualifizierter Handwerker künftig die Chance, seine Arbeiten auch in Deutschland auszuführen, so fern es nicht um Kontrollen gehe. Meyer: "Die Leistungen Kehren und Messen haben ab 2013 keine Preisbindung mehr."
"Auf www.bafa.de sind die Schornsteinfeger registriert, die bundesweit fegen dürfen", sagt Kahl, und Rosenbohm führt weiter aus: "Durch den Feuerstättenbescheid weiß der Fremdfeger, was zu tun ist."
Für die Hausbesitzer ändere sich aber zunächst nichts, betont Meyer: "Sie müssen sich nicht sorgen, dass sich künftig niemand um die Sicherheit in ihren vier Wänden kümmert. Als für einen Verwaltungsbezirk Verantwortlicher bleibe ich für die hoheitlichen Aufgaben zuständig." Dazu zählten die Feuerstättenschau, baurechtlich vorgeschriebene Abnahmen, die feuertechnische Beratung und der Vollzug der Arbeiten, so der Bezirksschornsteinfeger.
"Ab 2013 bleibe ich dafür verantwortlich, dass die Arbeiten ordnungsgemäß ausgeführt werden, auch wenn diese ein Anderer übernimmt", erklärt er. Die Folge sei ein höherer Verwaltungsaufwand für alle Bezirksschornsteinfeger. "Ich erwarte nicht, dass jemand aus Frankfurt nach Lübbecke kommt, weil er dann ja höhere Kosten hat", vermutet Dieter Rosenbohm. Er rechne eher damit, dass unzufriedene Kunden zu einem Kollegen in der Region wechseln würden.
Alle drei sagen jedoch, sie würden aufgrund der hohen Kundenzufriedenheit nur mit einer Kundenwanderung auf niedrigem Niveau rechnen.
Uwe Meyer, Dieter Rosenbohm und Michael Kahl zeigen sich einig: Sie wollen die Qualitätssicherung ihres Handwerks garantieren und klarstellen, dass sie heimatverbunden sind und vor Ort bleiben. "Es ist denkbar, dass wir unter dem Namen Mühlenfeger oder Schornsteinfeger im Mühlenkreis für unsere Arbeit werben", sagt Uwe Meyer.
Informationen zu Gesetzen und aktuellen Änderungen finden sich auf der Internetseite www.schornsteinfeger-owl.de.
aus: Neue Westfälische vom 13.05.2010
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