Keine Angst vor schwarzen Männern
Fünfte "Glückstour" der Schornsteinfeger bringt erneut Spenden:
Von Kristin Schrader
So viele Schornsteinfeger sieht man wohl nur äußerst selten an einem Ort: Dutzende schwarzgekleidete "Glücksbringer" erwarteten gestern sowohl bei der Firma Wöhler in Bad Wünnenberg als auch vor dem Kreishaus Paderborn ihre Kollegen von der "Glückstour". Die 30 Teilnehmer der Benefizfahrt hatten letzten Donnerstag ihre schwarze Kluft gegen Radlerkleidung getauscht und sind seitdem quer durch Deutschland unterwegs, um kranken Kindern zu helfen.
Unter den Fahrradfahrern befindet sich der Delbrücker Klaus Bewer. Er und seine Kollegen wollen mit ihrer Aktion Aufmerksamkeit für den Verein "Schornsteinfeger helfen krebskranken Kindern" wecken. Der Verein sammelt Spenden, um die Forschung nach neuen Medikamenten gegen Krebs zu unterstützen. Außerdem werden zahlreiche Projekte, Vereine und Aktionen gefördert, die betroffenen Kindern Lebensfreude schenken sollen.
Einer dieser Vereine ist "Hilfe für krebs- und schwerkranke Kinder", der sich gestern Nachmittag über einen Scheck in Höhe von 5.000 Euro freuen konnte. Die gleiche Summe übergaben die radelnden Schornsteinfeger an die Deutsche Knochenmarksspenderdatei (DKMS). Diese veranstaltete zeitgleich in Kooperation mit der Kreisverwaltung eine Typisierungsaktion, um neue potenzielle Knochenmarksspender zu finden.
Bewer und die anderen Radfahrer teilen allerdings nicht nur aus, sondern sammeln auch Spenden ein. In Bad Wünnenberg konnten sie sich über einen Scheck freuen. Die Firma Wöhler hatte vom Erlös für jeden "Stern", eine bestimmte Sorte von Kehrgeräten, einen Prozentsatz abgezwackt und konnte so gestern stolz 3.500 Euro an die Radfahrer übergeben. In Paderborn bewies die Innung für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik Sinn für Zusammenarbeit und spendete 1.000 Euro. Die Arbeitsgemeinschaft Wohnungswirtschaft OWL konnte sogar 5.000 Euro überreichen.
Die empfangenen Spenden können die radelnden Glücksbringer dem bisherigen Reinerlös zurechnen. Nach knapp 600 Kilometern beträgt der rund 64.000 Euro. Den Grundstock dazu hatten die Tourteilnehmer selbst gelegt: Jeder von ihnen hatte im Vorfeld 500 Euro in seinem Bekanntenkreis gesammelt oder aber selbst gespendet. Außerdem kommen die Radfahrer für sämtliche Ausgaben, die ihnen auf der Tour entstehen, selbst auf.
So viel Engagment muss unterstützt werden, dessen ist sich auch Klaus Meyer bewusst. Er und seine Gesellin Mairing waren zwei von vielen Kollegen, die ihren Kehrbereich für einen Nachmittag verließen, "um diese tolle Aktion öffentlich zu unterstützen." Öffentlich unterstützt wird die Aktion auch von vielen Prominenten. Bis Bad Wünnenberg war beispielsweise Erik Zabel unter den Radfahrern. Der ehemalige Profiradrennfahrer befürwortet die Aktion seit Jahren und stieß in Brilon zu der Gruppe. Nach der Scheckübergabe musste er sich allerdings wieder auf den Weg machen. Bis in seine Heimatstadt Unna hatte er immerhin noch gute 80 Kilometer zurückzulegen.
Zabel ist nicht der einzige prominente Helfer. Auch sein ehemaliger Teamkollege Rolf Aldag und Zehnkampf-Bronzemedaillengewinner Kurt Bendlin sind nur zwei von vielen bekannten Namen. Bendlin begleitete die Gruppe gestern wie auch Landrat Manfred Müller vom Schornsteinfegertreffen am Haxterberg zum Kreishaus. Alle drei ehemaligen Spitzensportler unterschrieben zudem auf einer Lithografie, die der Paderborner Künstler Herman Reichhold der Glückstour zu Zwecken einer Versteigerung spendete.
aus: Neue Westfälische vom 08.06.2010
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